Sicher ausreiten: Verhalten bei Wildtierbegegnungen

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Ein Ausritt führt Sie und Ihr Pferd durch Lebensräume, die Sie mit Rehen, Wildschweinen, Hasen oder auch Weidetieren teilen. Solche Begegnungen sind meist kurz und harmlos, können aber Pferde erschrecken oder Wildtiere in Stress versetzen. Mit einer aufmerksamen Reitweise, guter Vorbereitung und ruhigen Reaktionen schaffen Sie die besten Voraussetzungen für sichere Begegnungen im Gelände.

Vorbereitung schafft Ruhe auf dem Ausritt

Ein gelassenes Pferd reagiert auch in ungewohnter Umgebung deutlich kontrollierter. Planen Sie die Strecke passend zum Ausbildungsstand von Pferd und Reiterin oder Reiter: Unübersichtliche Waldwege, dichte Hecken und Wege entlang von Wildwechseln verlangen mehr Aufmerksamkeit als offene Feldwege.

Prüfen Sie vor dem Losreiten Zaumzeug, Sattel und Steigbügel. Ein gut sitzender Helm gehört ebenso zur Ausrüstung wie ein Mobiltelefon für Notfälle. Reiten Sie bei Dämmerung besonders vorausschauend, denn viele Wildtiere sind dann aktiv und können unvermittelt aus dem Unterholz treten.

Hilfreich ist außerdem ein Training, das Vertrauen und klare Hilfen stärkt. Übungen zum Anhalten, Rückwärtsrichten und seitlichen Weichen geben Ihnen im Ernstfall mehr Handlungsmöglichkeiten. Anregungen für einen strukturierten Aufbau finden Sie im Beitrag Sinnvolles Training für dein Pferd aufbauen. Entscheidend ist, dass Ihr Pferd Ihre Signale auch außerhalb des Reitplatzes zuverlässig kennt.

Bei Wildsichtung zählen Abstand und ein ruhiger Rhythmus

Entdecken Sie ein Wildtier frühzeitig, reduzieren Sie das Tempo. Halten Sie an, wenn das Tier nahe am Weg steht oder seine Reaktion unsicher wirkt. Sprechen Sie ruhig mit Ihrem Pferd und vermeiden Sie hektische Zügelhilfen, laute Rufe oder plötzliches Wenden.

Wildtiere brauchen einen Fluchtweg. Versperren Sie ihn nicht, sondern warten Sie geduldig, bis das Tier sich entfernt hat. Bei Rehen oder Hasen genügt oft ein kurzer Moment: Sie sichern die Lage, das Pferd kann schauen und das Tier zieht weiter. Bleibt es stehen, gehen Sie keinesfalls dichter heran, um ein Foto zu machen.

Achten Sie auf die Körpersprache Ihres Pferdes. Hoch aufgerichteter Hals, gespitzte Ohren, angespannte Muskulatur oder ein stockender Schritt zeigen, dass es etwas wahrgenommen hat. Bleiben Sie selbst möglichst locker im Sitz, atmen Sie ruhig und geben Sie dem Pferd Zeit zur Orientierung. Ruhe überträgt sich direkt auf das Pferd.

Wenn Wild plötzlich den Weg kreuzt

Kreuzt ein Tier unmittelbar vor Ihnen den Weg, halten Sie Ihr Pferd gerade und nehmen Sie Tempo heraus. Ziehen Sie nicht abrupt an beiden Zügeln, da ein erschrockenes Pferd dadurch gegen die Hand gehen oder zur Seite springen kann. Setzen Sie sich tief in den Sattel, schließen Sie bei Bedarf die Schenkel und nutzen Sie eine vertraute, ruhige Stimme.

Nach dem Vorfall reiten Sie erst weiter, wenn Ihr Pferd wieder ansprechbar ist. Einige Pferde bleiben nach dem ersten Schreck noch angespannt, weil sie weitere Tiere vermuten. Wählen Sie dann ein langsames Tempo und verzichten Sie auf angalloppieren, bis die Situation entspannt ist.

Wildschweinen begegnen Sie mit besonderer Vorsicht

Wildschweine sind nicht grundsätzlich aggressiv, verteidigen aber ihren Nachwuchs und fühlen sich bei geringem Abstand schnell bedrängt. Treffen Sie auf eine Bache mit Frischlingen, drehen Sie möglichst ruhig um und vergrößern Sie den Abstand. Reiten Sie niemals zwischen ein erwachsenes Tier und seine Jungtiere.

Hören Sie Rascheln im dichten Bewuchs oder sehen Sie eine Rotte am Weg, halten Sie Abstand und warten Sie nicht direkt daneben. Kehren Sie lieber auf dem bereits bekannten Weg zurück. Ein schneller Durchritt kann Tiere aufscheuchen und erhöht das Risiko, dass Ihr Pferd panisch reagiert.

Auch bei einzelnen Wildschweinen gilt: nicht verfolgen, nicht laut vertreiben und keine Abkürzung durch das Unterholz suchen. Bleiben Sie auf befestigten oder ausgewiesenen Wegen. So respektieren Sie Rückzugsräume des Wildes und behalten selbst bessere Kontrolle über den Untergrund.

Mit Weidetieren und Hunden brauchen Sie klare Regeln

Neben Wildtieren können Kühe, Schafe oder frei laufende Hunde für Unruhe sorgen. Nähern Sie sich Weidetieren im Schritt und mit Abstand. Besonders Mutterkühe können ihre Kälber verteidigen. Füttern Sie keine Tiere vom Pferd aus und lehnen Sie sich nicht über Zäune, denn unerwartete Bewegungen können beide Seiten erschrecken.

Bei Hunden ist der Halter gefragt. Sehen Sie einen unangeleinten Hund, sprechen Sie dessen Begleitperson frühzeitig und freundlich an. Bitten Sie darum, den Hund anzuleinen oder bei sich zu halten. Halten Sie Ihr Pferd geradeaus, vermeiden Sie hektisches Ausweichen und lassen Sie genug Raum zwischen Pferd und Hund.

Wer mit dem eigenen Pferd regelmäßig im Gelände unterwegs ist, profitiert von einem aussagekräftigen Profil mit Informationen zu Charakter, Ausbildung und Einsatzbereich. Hinweise dazu bietet der Beitrag Reiterprofil mit Pferd anlegen.

Rücksicht auf Natur und Wege erhöht die Sicherheit

Verlassen Sie mit Ihrem Pferd keine erlaubten Wege, insbesondere nicht in Schutzgebieten, an Waldrändern oder auf erkennbaren Wildwechseln. Wild braucht ruhige Bereiche für Nahrungssuche, Aufzucht und Erholung. Auch nach einer Begegnung sollten Sie nicht querfeldein ausweichen, sondern eine sichere Alternative auf den zugelassenen Wegen wählen.

Informieren Sie sich vorab über regionale Regeln und saisonale Einschränkungen. Brut- und Setzzeiten, Jagden oder forstwirtschaftliche Arbeiten können die Routenplanung beeinflussen. Sichtbare Hinweisschilder und Absperrungen gelten immer, auch wenn der Weg auf den ersten Blick passierbar erscheint.

Für Pferdehalterinnen und Pferdehalter mit Zuchtambitionen spielt verantwortungsvolles Handeln ebenfalls eine große Rolle. Der Ratgeber Worauf sollte ich bei der Pferdezucht besonders achten? behandelt Faktoren, die bei einer nachhaltigen Zuchtplanung berücksichtigt werden sollten.

So bleiben Ausritte für Pferd, Mensch und Wild entspannt

Eine Wildtierbegegnung lässt sich nie vollständig planen, doch Sie können ihr besonnen begegnen. Vorausschauendes Reiten, eine solide Grundausbildung und Rücksicht auf die Umgebung senken das Risiko deutlich. Geben Sie Ihrem Pferd Sicherheit, statt es in einer angespannten Situation vorwärtszudrängen.

So wird der Ausritt zu einem respektvollen Naturerlebnis, bei dem Sie, Ihr Pferd und die Tiere am Wegesrand möglichst ungestört bleiben.

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